08.11.2016 – LESESALON liest außerdem Leon, Yates & Kubiczek

Donna LeonDonna Leon – Brunettis Bravourstück. Das 25ste! Der Commissario ermittelt in den Tiefen der Erinnerung: Contessa Lando-Continui möchte ihren Frieden finden, doch der tragische Sturz ihrer Enkelin in den Canale di San Boldo lässt ihr keine Ruhe. Was, wenn es kein Unfall war? Brunetti nutzt seine Connections, seine Einfühlung und seine Erfahrung. Der Jubiläumsfall. Brunettis Mittel zum Ertragen der hässlichen Seite des Lebens sind die Familie, die Architektur Venedigs und die Klassiker der Antike. Diesmal befasst er sich mit »Argonautica« von Apollonius von Rhodos, der ihm ein Maß für Menschlichkeit vermittelt: Liebe übertrumpft Prinzip. Ewige Jugend ist ein intelligenter, leiser Roman über das tragische Schicksal einer wunderschönen Frau und die hässliche Niedertracht eines kleinen Mannes, tiefgründig und empathisch, stark in den Dialogen und der Psychologie. (Diogenes)

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Richard Yates – Jung, frisch verheiratet und ehrgeizig, versucht Michael Davenport, als Schriftsteller sein Auskommen zu finden. Das große Privatvermögen seiner Ehefrau Lucy will er nicht angreifen, aus Angst, es würde ihn als Künstler korrumpieren. Lucy, unsicher, was von ihr erwartet wird, stürzt sich in die Schauspielerei, die Malerei, um ihrem Leben so einen Sinn zu geben. Doch die Jahre vergehen, die Misserfolge häufen sich, und hinter den hochtrabenden Erwartungen lauert ein Leben in Durchschnittlichkeit. Und dann setzen die Zweifel aneinander ein … “Eine strahlende Zukunft” In seiner Schilderung einer Ehe, die auf gegenseitigen Abhängigkeiten gründet und durch enttäuschte Hoffnungen und Ambitionen von innen zerfressen wird, begibt sich Richard Yates auf für ihn klassisches Terrain. Wie schon in seinem Meisterwerk “Zeiten des Aufruhrs” (verfilmt mit Leonardo DiCaprio und Kate Winslet) demonstriert er einmal mehr sein Können als Chronist des Scheiterns, für das er in die Annalen der amerikanischen Literaturgeschichte eingegangen ist. (btb)

sizze-sommerAuf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2016!
André Kubiczek – 1985, Potsdam, große Ferien. Doch der sechzehnjährige René bleibt dieses Jahr zu Hause. Die Mutter ist tot, der Vater in der Schweiz; er lässt René tausend Mark da, die er brüderlich mit seinen Freunden Dirk, Michael und Mario teilt. Dies ist, und das spüren sie alle vier, ein Sommer, wie es ihn nie wieder geben wird für sie. Die Jungs streifen durch die heiße, urlaubsleere Stadt und sitzen in Cafés herum, während sie darum wetteifern, besonders geistreich zu sein. Und: Sie gehen zweimal pro Woche in die Disko. Denn bei allem abgeklärten Gehabe geht es doch vor allem darum, das richtige Mädchen zu finden. Während Dirk und Michael um die forsche Rebecca buhlen und der Halb-Libanese Mario, der erst vierzehneinhalb ist, mächtig Schlag bei den Frauen hat, brennt René darauf, das Mädchen wiederzusehen, das im «Orion» noch nie zur falschen Musik getanzt hat. “Skizze eines Sommers” ist ein warmherziger, leichter Roman über die beste aller Zeiten, die Jugend mit ihrer schönen Tragik – die erste Liebe, die Freundschaft, die für immer prägende Musik, die Bücher, die man immer und immer wieder liest. André Kubiczek erzählt wunderbar einfühlsam und hintergründig von einem Lebensalter, das trotz Unsicherheit von unendlichem Selbstbewusstsein und Vertrauen geprägt ist. (Rowohlt Berlin)