18.07.2016 – Lesesalon: “Die Leiden des jungen Werthers” von Johann W. Goethe im Vergleich zu Ulrich Plenzdorfs “Die neuen Leiden des jungen W.”

Werther Goethe Werther PlentzdorfDer Roman Die Leiden des jungen Werther von Johann Wolfgang Goethe löste mit seinem Erscheinen 1774 eine regelrechte Werther – Euphorie aus, deren Nachwirkungen noch bis heute zu spüren sind. Der Briefroman fand sowohl begeisterte Fans als auch erbitterte Gegner und vor allem mehrere Nachahmer. Zu ihnen gehört auch Ulrich Plenzdorf mit seinem Roman Die neuen Leiden des jungen W., der 1973 in der DDR erschienen ist.

Der 1774 erschienene Roman Die Leiden des jungen Werther von Johann Wolfgang Goethe berichtet von einem jungen Mann, Werther, der an seiner Liebe zu einer jungen Adeligen, Charlotte, zerbricht. Es handelt sich um einen Briefroman, eine damals neuartige Form der Literatur. Literarischer Verfasser der Briefe ist der außergewöhnlich gefühlsbetonte, künstlerisch begabte und intelligente junge Werther, Adressat sein Freund Wilhelm. Der Roman beginnt mit Werthers Umzug aufs Land, um dort Ruhe und Abstand zu gewinnen. Dort lernt er die Tochter des Amtmannes bei einem Ball kennen und verliebt sich trotz des Hinweises einer Base, dass sie schon vergeben ist, unsterblich in die junge Charlotte. Obwohl sie verlobt ist, weist sie Werthers Zuneigung nicht zurück und se sehen sich von nun an beinahe täglich. Da Lottes Mutter verstorben ist, kümmert sie sich um die vielen Geschwister, was Werthers Begeisterung für sie intensiviert. Ihr Verlobter Albert ist ein charakterfester und strebsamer junger Mann, dessen Lebensart sehr viel ernsthafter und geregelter als die von Werther ist. Die unerfüllte Liebe veranlasst ihn, auf Zureden seiner Mutter und eines Freundes, das Städtchen zu verlassen und eine Stelle in einer Gesandtschaft anzunehmen. Die nicht zu unterdrückende Liebe und die unerträgliche berufliche Situation lassen ihn zu Lotte zurückkehren. Doch diese bittet ihn, auf Alberts Drängen, seine Besuche zu reduzieren. Aufgrund der Tatsache, dass Lotte und Albert bereits verheiratet sind und der neuerlichen Abneigung von Alberts Seite ihm gegenüber, sieht Werther seinen einzigen Ausweg im Freitod. Woraufhin er sich von Lotte verabschiedet und sich mit der von Albert ausgeliehenen Pistole in den Kopf schießt. Den Folgen dieser Verletzung erliegt er erst gegen Mittag und wird ohne Kirchensegen in ungeweihter Erde begraben.

Ulrich Plenzdorfs 1973 in der DDR erschienenen Roman Die neuen Leiden des jungen W., der ein Rückblick auf das Leben des 17jährigen Antihelden Edgar Wibeau nach seinem selbstverschuldeten Unfall ist. Als Rahmengeschichte des Romans versucht sein Vater nach Edgars Tod, den er nach der Trennung von seiner Frau nicht mehr gesehen hat, mehr über ihn zu erfahren und die letzten Monate seines Lebens zu rekonstruieren. Dazu sucht er nacheinander sehr unterschiedliche Wegbegleiter seines Sohnes auf. Edgar ergänzt durch Jenseitskommentare wie es seiner Meinung nach wirklich war.

Nach einer Meinungsverschiedenheit verlässt der junge Musterknabe Edgar seine Lehrstelle in Mittenwald und zieht sich in eine Gartenlaube seines Freundes Willi in Berlin zurück. Dort fällt ihm auf der Suche nach Toilettenpapier Goethes Bestseller in die Hände. Ohne zu wissen, dass es sich um Die Leiden des jungen Werther handelt beginnt er zu lesen, kann anfangs aber nichts damit anfangen. Schließlich erweist sich Old Werther für Edgar doch noch als sehr brauchbar. Da er durch ihn, im richtigen Moment zitiert, seine Umwelt völlig verwirrt und erheblich Eindruck schindet. Auch Willi schickt er Tonbänder mit Werther Zitaten, die seinen Seelenzustand widerspiegeln. Er lernt eine Kindergärtnerin, die er Charlie nennt, kennen und lieben. Zwar sieht sie in ihm ein kleines verstörtes Kind, der aber ein guter Gegenpol zu ihrem spießigen Verlobten Dieter ist und genießt seine Gesellschaft, während ihre Schützlinge neben seiner Laube spielen. Auf Charlies Drängen sucht und findet Edgar schließlich Beschäftigung in einer Arbeitsbrigade, die ihn nach einiger Zeit in ihr Vorhaben, die Erfindung eines revolutionären nebellosen Farbspritzgerätes, einweiht. Edgar, der sich für ein verkanntes Genie hält, kann sich endlich beweisen und baut an seiner eigenen Erfindung. Da er aber unter Zeitdruck gerät unterläuft ihm ein folgenschwerer Fehler und er erleidet einen tödlichen Stromschlag.