Mai 2017 – Buchempfehlung für ERWACHSENE – “Goodbye, Moskau – Betrachtungen über Russland” von Wladimir Kaminer

„Goodbye, Moskau – Betrachtungen über Russland“

Wladimir Kaminer blickt anlässlich des 100. Jahrestages der Oktoberrevolution (1917-2017) auf seine alte Heimat und sieht ein Land auf der Suche nach sich selbst. Das kommunistische Experiment ging unter dem Applaus der freien Welt zu Ende, die Menschen aber sind noch da, und sie brauchen eine Perspektive. Der Kapitalismus lockt als neues Erfolgsmodell, doch die Russen suchen unter der harten Sonne des Kapitals vergeblich nach einem schattigen Plätzchen. Überall liegen bereits die Handtücher anderer Länder. Statt Wohlstand, Fortschritt und Freiheit regieren Repression und Angst. Die politische Führung unter Putin beherrscht zwar die alten Techniken des Machterhalts, aber keine zur Gestaltung der Zukunft. Vorbei an Europa hat sie den Weg in die Vergangenheit und die Isolation eingeschlagen. Mehr als genug Stoff also für eine liebevoll verzweifelte Auseinandersetzung mit Russland.

Wladimir Kaminer – 1967 in Moskau geboren, lebt er seit 1990 in  Berlin Prenzlauer Berg (direkt am Mauerpark). Privat ist er ein verheirateter Russe und Familienvater, beruflich ein deutscher Schriftsteller, der die meiste Zeit unterwegs ist mit Lesungen und Vorträgen. So stellt er sich selbst knapp und konkret vor. Seine Erzählbände Militärmusik und Russendisko machten ihn auch außerhalb Deutschlands bekannt. Bis Juli 2010 wurden 2,9 Mio. seiner Bücher verkauft. Allein Russendisko hatte bis März 2012 eine Gesamtauflage von über 1,3 Mio. Einem breitem Publikum wurde er dann durch die Verfilmung seines autobiographischen Buches Russendisko unter der Regie von Oliver Ziegenbalg bekannt, mit den Schauspielern Matthias Schweighöfer, Friedrich Mücke und Christian Friedel in den Hauptrollen. Kaminer selbst hat auch zwei Gastauftritte im Film. 2012 platzierte sich der Film auf Platz neun der meistgesehenen deutschen Kinoproduktionen des Jahres. Ein begnadeter Erzähler und Beobachter, der seine Leser & Zuhörer ironisch-melancholisch an seinem Alltag teilhaben lässt.

»Die politische Führung Russlands hat ihren Bürgern vorgelogen, dass es einen Weg gebe, in die Geschichte zurückzureisen, der es möglich macht, alles was schlecht war auszublenden und nur das Gute wiederauferstehen zu lassen.« Wladimir Kaminer – Focus online – 14.06.2016